- Künstler*in
- Raik Elias
- Titel
-
Drei Ringe
- Jahr
- 2013
- Kunstform
- Skulptur, Kunst am Bau, Objektkunst
- Adresse
- Willy-Brandt-Straße 41, 70173 Stuttgart, Mitte
- Standort
- Innenministerium Baden-Württemberg
Raik Elias schuf für das neue Stuttgarter Ministeriumsgebäude von Staab Architekten drei riesige Ringe, die der Masse des Gebäudes entgegenwirken. Im ersten Atrium ein Ring, der an die Wand gelehnt ist. Im zweiten Hof scheint der Ring in den Raum gezwängt worden zu sein. Und im dritten, in der Grundfläche schon recht kleinen Hof, hängt das Kunstobjekt hoch oben unter der Decke.
Der Künstler selbst schreibt dazu: "Eine Skulptur und ein Raum sind in gewisser Weise Objekte, die man beschreiben kann. Der Unterschied besteht darin, dass die Umgebung als Objekt nicht in ihrer Gänze wahrgenommen wird. Man könnte sie als transzendent bezeichnen, muss also einen gewissen Aufwand betreiben, um sie zu begreifen. Die Kunst am Bau gibt einem die Möglichkeit, sich mit diesem Thema zu befassen, weil der Ort des Objekts bekannt ist und man sein Werk in Bezug auf die Umgebung formen und thematisieren kann.
Auch die „drei Ringe“ sind vor diesem Hintergrund konzipiert worden. Grundsätzlich haben wir es bei diesem Neubau mit einer Aneinanderreihung von Objekten zu tun, mit einem Haus aus mehreren Baukörpern – inklusive seiner Atrien. Die Räume haben einen homogenen Charakter. Sie bestehen aus einem hellen, rauen Material. Ich habe mich bei diesem Projekt dafür entschieden, der starken Materialität in den Atrien etwas entgegenzustellen und sie zumindest im Bewusstsein zu entmaterialisieren. Man tritt also ein, und da ist dieses riesige Objekt, das den Raum nicht blockiert, beim Betrachter aber zunächst für Irritation sorgt.
Die Rostschicht an den Ringen sorgt vor allem durch ihre Homogenität für eine große Materialität. Die innen liegenden, spiegelnden Edelstahlbänder wirken dem entgegen, nehmen den Objekten die Schwere. Aus einigen Blickwinkeln werden die Ringe zu schmalen Reifen. Diese Veränderung einer sehr einfachen Form macht an sich schon einen Reiz aus. [...] Beim Wettbewerb war ich noch nicht genauer auf das Material eingegangen, dachte nur an verschiedene Legierungen und Beschichtungen. Wichtig war mir, ein Material zu finden, das die Kraft besitzt, dem Beton gegenüber zu bestehen und dennoch mit ihm zu harmonieren. Bei der ersten Begehung, als der Rohbau schon so gut wie fertiggestellt war, umgab mich die ungewohnt große Masse des Betons, und mir wurde klar, dass auf Hochglanz polierte Materialien im Raum visuell verschwinden würden. Nach vielem Ausprobieren entschied ich mich für eine Oberfläche aus Rost, die sehr gut zur Oberfläche des Betons passt und genug eigene Kraft ausstrahlt."
aus Bauwelt 32.2013