- Künstler*in
- Wolfgang Thiel
- Titel
-
Vaihinger Mädchen
- Jahr
- 1986
- Kunstform
- Skulptur
- Material
- Stahlblech, Beton vorbehandelt, lackbemalt
- Maße
- 3,40 × 5, 00 × 10,00 m
- Adresse
- Pfaffenwaldring 45, 70569 Stuttgart, Vaihingen
Das Vaihinger Mädchen von Wolfgang Thiel entstand 1986 für den Campus der Universität Stuttgart und steht dort bis heute am Pfaffenwaldring vor der Mensa. Mit einer Länge von rund zehn Metern, einer Höhe von 3,40 Metern und der Kombination aus Stahlblech, vorbehandeltem Beton und Lackmalerei ist die Arbeit deutlich als raumgreifende Setzung im Außenraum angelegt. Drei Figuren lagern auf einer flachen, bühnenartigen Grundform und besetzen den Ort weniger als Denkmal denn als Szene des Aufenthalts.
Zeichnung wird räumlich
Charakteristisch für die Skulptur ist die aus der Fläche entwickelte Form. Das Zweidimensionale wird räumlich: durch Faltung entsteht Volumen. Die Figuren wirken dabei weder schwer noch monumental, sondern auffallend leicht und beiläufig. Gerade dieses „Lümmeln“ auf einem skulpturalen Teppich gibt der Arbeit ihre besondere Präsenz: Sie schafft ein Zentrum des Verweilens und der alltäglichen Aneignung. Die Skulptur antwortet damit präzise auf ihren Standort im universitären Umfeld, wo Bewegung, Aufenthalt und informelle Begegnung den Raum prägen.
In den 1980er Jahren entwickelte Thiel großformatige, figurative Arbeiten, in denen die Silhouette des weiblichen Körpers stark vereinfacht und in klare, fast zeichnerische Formen übersetzt wird. Anders als in klassisch modellierter Plastik entsteht Körperlichkeit hier nicht aus Masse, sondern aus Umriss, Schnitt und Aufklappung. So lässt sich das Vaihinger Mädchen - wie auch Thiels Arbeiten am Degerlocher Albplatz (Mädchen, eine ansteckende Legende verbreitend, Die Lehnend Wartende und Die große Recamier) - als ein Werk lesen, das zwischen Skulptur, Zeichnung und Bühne vermittelt. Sie zeigt keine abgeschlossene Erzählung, sondern eine offene Konstellation von Figuren im Raum. Gerade dadurch bleibt sie anschlussfähig an ihren Ort: als künstlerische Setzung vor der Mensa, die den Campus nicht dominiert, sondern mit einer spielerischen, zugleich präzisen Geste belebt.
Über den Künstler
Wolfgang Thiel, geboren in Zweibrücken, studierte von 1970 bis 1976 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Sein Werk verbindet figurative Motive mit einem experimentellen Umgang mit Materialien und Gattungen. Der Künstler beschreibt selbst den spielerischen Aspekt als wesentlich für seine Arbeiten; zugleich betont seine Vita die Beschäftigung mit farbig gefasster Skulptur und den bewussten Wechsel zwischen verschiedenen Materialien. Sein Atelier in Plochingen ist Ausgangspunkt für viele Arbeiten im öffentlichen Raum.