Künstler*in
Micha Ullman
Titel

Schüssel

Jahr
2005
Kunstform
Skulptur, Objektkunst
Material
Anröchter Dolomit
Maße
30 m Durchmesser
Adresse
Allmandring 7B, 70569 Stuttgart, Vaihingen

Mitten auf dem Vaihinger Campus öffnet sich im Rasen eine sanft abfallende 30 Meter weite und zwei Meter tiefe Mulde, gefasst von zwei Betonringen: Micha Ullmans Schüssel. In der Grünanlage, die 2005 als Ort für Muße und Bewegung angelegt wurde, markiert sie einen stillen Mittelpunkt, an dem Wege, Blicke und Begegnungen zusammenlaufen. Die Skulptur erscheint weniger als Objekt, das auf dem Gelände steht, sondern als Eingriff in den Boden, der das Gelände selbst in eine Art Amphitheater verwandelt. Am Rand der Mule befindet sich eine bankartige Sitzkante, die die Skulptur in einen Ort des Verweilens verwandelt. 

Micha Ullman: "Dieser Ort soll für Studenten ein Treffpunkt sein, sowohl praktischer als auch geistiger Natur, ein Treffpunkt von Natur, Wissenschaft und Kunst, […] von Material und leerem Raum, Raum für Phantasie und Inspiration. Die konkave Form der Schüssel unterstützt die Konzentration, die Fokussierung, das Senden und Empfangen von Ideen, von Energie und Kraft."

Die Konstruktion trägt eine zweite, verborgene Ordnung in sich: Beide Ringe bestehen aus zwölf Segmenten, korrespondierend mit zifferblattähnlich angeordneten Entwässerungslöchern am tiefsten Punkt der Mulde. In den Oberseiten der Ringe bleiben die Greiflöcher vom Transport sichtbar; füllt sich Regen darin, werden sie zu kleinen Himmelsspiegeln. 

Mit wenigen, präzisen Mitteln verbindet Ullman in dieser Bodenplastik Natur, Wissenschaft und Kunst. Die Schüssel fügt sich selbstverständlich in die Grünanlage ein und stiftet zugleich einen eigenständigen Ort der Konzentration und Kontemplation – eine stille, dauerhaft wirksame künstlerische Setzung im Alltag des Campus.

Micha Ullman, 1939 in Tel Aviv geboren, ist durch Teilnahmen an der Biennale von Venedig und der Documenta international bekannt geworden. 1995 schuf er mit der unterirdischen Bibliothek auf dem Berliner Bebelplatz ein eindringliches Mahnmal gegen die Bücherverbrennungen der Nazi-Zeit. Von 1991 bis 2005 lehrte er an der Stuttgarter Kunstakademie und entwickelte in dieser Zeit ein Netz von Bodenarbeiten mit kosmologischen Bezügen, wie z. B. Neumond am Schloss Solitude und Abendstern an der Stauffenbergstraße. Die Schüssel fügt sich in dieses Gefüge ein.