Künstler*in
Micha Ullman
Titel

Neumond

Jahr
1994
Kunstform
Kunst am Bau, Objektkunst
Material
29 Fräsungen in Pflastersteine
Maße
je 4 cm Durchmesser
Adresse
Solitude 1, 70197 Stuttgart, West

Zwischen der Schlosstreppe und der Akademie findet sich im Pflaster eine fast unscheinbare, doch poetisch wirkende Bodenskulptur: Neumond, eine Installation des israelischen Künstlers Micha Ullman aus dem Jahr 1994. In einen Kreis von rund fünfzehn Metern Durchmesser ließ Ullman 29 kleine Darstellungen der Mondphasen in einzelne Pflastersteine eingravieren. Jede der etwa vier Zentimeter großen, hohl gearbeiteten Formen wirft – je nach Wetter und Jahreszeit – ihren eigenen, sich verändernden Schatten. So entsteht ein leises, nur im Moment des Betrachtens wahrnehmbares Schattenspiel. Die Skulptur ist dadurch nahezu unsichtbar und wirkt gerade durch ihre Zurückhaltung. 

Micha Ullman, 1939 in Tel Aviv geboren, wurde durch seine Teilnahme an der Biennale von Venedig 1980 und an der Documenta 8 international bekannt. Mit seiner unterirdischen Bibliothek auf dem Berliner Bebelplatz schuf er 1995 eines der eindrucksvollsten Mahnmale gegen die nationalsozialistische Bücherverbrennung von 1933. 

Zwischen 1991 und 2005 war Ullman Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. In dieser Zeit entstand in Baden-Württemberg ein ganzes Netzwerk von Bodeninterventionen, häufig mit kosmologischen Bezügen. Den Beginn dieses Werkzyklus markiert Neumond. 1996 folgte Abendstern an der Stuttgarter Ecke Bolzstraße - Stauffenbergstraße und im Jahr 2000 Mahlzeit auf dem Pragfriedhof. Mit seiner Schüssel vervollständigt Micha Ullman diesen Zyklus auf dem Vaihinger Campus.